Viele Bürgerinnen und Bürger bangen seit einiger Zeit um den Krankenhausstandort Dinkelsbühl. In diesem Zusammenhang wurden im Verein Forum Zukunft Dinkelsbühl verschiedene Optionen zur Steigerung der Attraktivität dieser Einrichtung erörtert. Eine Möglichkeit, dieses Ziel zu erreichen, ist nach Auffassung des Vereins ein an das Krankenhaus Dinkelsbühl angegliedertes überregionales Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ). Bei der Diskussion wurden vor allem potentielle Vorteile und Synergiefaktoren eines überregionalen MVZs am Dinkelsbühler Krankenhaus herausgearbeitet. Ein solches MVZ war vor Jahren schon einmal geplant, jedoch wurden diese Pläne aus nicht bekannten Gründen damals verworfen. Die nachfolgenden Punkte sind aus einer sehr konstruktiven Diskussion innerhalb des Forums entstanden und sollen als Appell verstanden werden, ehemalige Überlegungen eventuell wieder aufzunehmen und umzusetzen.

Allgemeine Vorteile eines MVZs:

1. Vergrößerungspotential

Durch das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz ist es den MVZs möglich, sich direkt im Rahmen des Nachbesetzungsverfahrens um einen ausgeschriebenen Vertragsarztsitz zu bewerben. Bisher konnte eine Bewerbung darauf nur durch konkrete Ärzte erfolgen und der Zulassungsausschuss hat daraus den qualifiziertesten Bewerber ausgewählt. Nun kann sich das MVZ ohne konkrete Nennung eines Arztes bewerben, dies mit der Ergänzung des Versorgungsangebots im MVZ begründen und sich erst nach Erhalt des Vertragsarztsitzes auf dem Arbeitsmarkt nach einem geeigneten Arzt umsehen.

2. Beständigkeit im Außenauftritt

Ein MVZ kann im Außenauftritt einen werbewirksamen Namen wählen. Das Ausscheiden eines Arztes offenbart sich im Außenauftritt nicht, was Patienten wiederum Kontinuität vermittelt. Dazu kommt, dass das MVZ im Gegensatz zur Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) als GmbH geführt werden kann.

3. Sicherheit bei der Gewerbesteuer

In der BAG entstehen bei der Anstellung von Kollegen Zweifel über die freiberufliche Prägung der Tätigkeit des Arztes und somit im Hinblick auf die Gewerbesteuerpflicht. Insbesondere in den letzten Jahren hat die Rechtsprechung strengere Anforderungen an die Freiberuflichkeit aufgestellt. Ein MVZ ist, zumindest wenn es in der haftungsbeschränkten Rechtsform der GmbH geführt wird, bereits kraft seiner Rechtsform gewerbesteuerpflichtig. Mögliche Unsicherheiten für die Gemeinden bestehen hier also nicht.

4. Flexible Arbeitszeitmodelle

Immer mehr Ärzte zieht es in ein Anstellungsverhältnis. Diesem Trend kann das MVZ doppelt nachkommen. Erstens ist es im MVZ möglich, dass ein zugelassener Vertragsarzt auf seine Zulassung zugunsten einer Anstellung verzichtet und künftig als Angestellter arbeitet. Bei einer klassischen BAG, die aus zwei Ärzten besteht, ist dies nicht umsetzbar, da der Verzicht der Zulassung zugunsten einer Anstellung die Auflösung der BAG zur Folge hat. Zweitens kann in einer BAG jeder Arzt maximal drei Angestellte beschäftigen. In einem MVZ gibt es diese Beschränkung nicht. Es können auf einer Anstellungszulassung vier Ärzte tätig sein. Die Zahl der Anstellungszulassungen ist unbegrenzt.

5. Erhalt der Zulassung im MVZ

Eine durch einen Vertragsarzt eingebrachte Zulassung verbleibt im MVZ. Scheidet der Gesellschafter aus, veräußert er nur seine Gesellschaftsanteile. Die Zulassung kann mit angestellten Ärzten besetzt werden. Sofern dennoch eine Nachbesetzung der Zulassung angestrebt werden sollte, hat das breit aufgestellte MVZ im Nachbesetzungsverfahren gegenüber einer BAG Wettbewerbsvorteile. Bei der Beurteilung, ob die Zulassung aus Versorgungsgründen erforderlich ist, ist das Aufrechterhalten des Versorgungsangebots des MVZs ein wichtiges Argument.

Spezifische Vorteile eines überregionalen MVZs am Krankenhaus Dinkelsbühl:

1. Synergieeffekte mit dem Krankenhaus Dinkelsbühl

 Der Standort für ein überregionales MVZ am Krankenhaus Dinkelsbühl wäre geradezu ideal. Hier könnten Betten- und Pflegekapazitäten des bestehenden Krankenhauses genutzt werden. Dies sichert Arbeitsplätze und spart Investitionskosten. Ferner könnte Auszubildenden ein breiteres Praxisspektrum vermittelt werden.

2. Stärkung des Krankenhausstandortes Dinkelsbühl

 Durch die Konzentration Fachärztlicher Kompetenzen erhält das Krankenhaus Dinkelsbühl neue Attraktivität für regionale und überregionale Patienten. Da es Heutzutage oft der Konsultation mehrerer Fachärzte bedarf, um einen effektiven Behandlungsprozess darzustellen, würden sich diesbezüglich Wege verkürzen und Reaktionszeiten erhöhen. Gerade für ältere Patienten wäre dies ein entscheidender und unschätzbarer Vorteil.

3. Effektivere Akquisemöglichkeiten für Fachärzte

Gerade in ländlichen Regionen wie Dinkelsbühl ist Fachärztemangel eine permanente Herausforderung. Die Gründe sind oft zu geringe berufliche Entfaltungsmöglichkeiten oder fehlende Synergieeffekte für einen ganzheitlichen Behandlungsprozess. Aus diesem Grund sind hier besondere Ideen, aber auch Anstrengungen nötig, um Anreize, insbesondere für Fachärzte, zu schaffen. Durch ein überregionales MVZ am Dinkelsbühler Krankenhaus würde man das Versorgungspotenzial auf ein neues Level heben und könnte so diesen Faktoren entgegenwirken.

4. Ganzheitlicher Ansatz einer gesundheitlichen Versorgung

Die Welt der Medizin verändert sich. Schulmedizin und alternative Medizin reichen sich die Hand. Das ist auch gut so, denn gerade die Kombination aus beiden Feldern hat in den letzten Jahren große Erfolge erzielt. Ein überregionales MVZ hätte die nötige Infrastruktur und Fläche um derartige Synergien zu schaffen. Dinkelsbühl könnte sich hier als einer der Vorreiter präsentieren.

5. Höhere Reichweite durch ein breites Spektrum

Die Überlebensfähigkeit einer gesundheitlichen Versorgung auf dem Lande hängt oft mit der Reichweite ihrer Attraktivität und ihren Kompetenzen zusammen. Das überregionale MVZ Dinkelsbühl könnte dies durch ein breites, hochwertiges Versorgungsspektrum, kombiniert mit moderner Klinikarchitektur, gewährleisten. Gerade hier gibt es viele neue Ansätze, welche auch den psychologischen Gedanken potentieller Patienten berücksichtigt. „Wohlfühlen statt nur zu warten“ könnte hier das Motto sein.

 

Wir stellen jedoch unmissverständlich klar, dass es sich bei einem überregionales MVZ lediglich um eine Ergänzung zur Erhöhung der Attraktivität des Dinkelsbühler Krankenhauses und keinesfalls um dessen Ersatz handeln kann! Die oben dargelegten Vorteile und Synergien ergeben sich ja gerade im Zusammenspiel von Krankenhaus und MVZ. Hierüber besteht im Forum vollkommene Übereinstimmung. Das Forum wird sich auch zukünftig mit Ideen und Maßnahmen zum Erhalt des Krankenhausstandortes beschäftigen und nimmt dahin gehende Anregungen und Vorschläge gerne auf.